Entrümpeln. Bild: owik2/photocase.de
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Einfach weniger Zeug: 6 Methoden zum Entrümpeln

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Wir ersticken in Sachen. Der deutsche Durchschnittsbürger besitzt im Schnitt an die 10.000 Dinge, die es im Haushalt zu verstauen gilt. Dabei gilt auch hier das 20:80-Prinzip: Wir brauchen ungefähr 20 Prozent der Dinge zu 80 Prozent der Zeit, der große Rest wird für besondere Gelegenheiten verwahrt, wartet auf Reparatur oder hat sich einfach nur angesammelt, weil wir einem Kaufimpuls gefolgt sind oder etwas geschenkt, vielleicht auch vererbt, bekommen haben.

Unsere Konsumgesellschaft ist sehr gut darin, uns Dinge zu verkaufen, die wir weder brauchen noch mögen. Und wir als Konsumenten lassen uns nur zu gern davon überzeugen, noch die kleine praktische Dose oder diese hübschen Dekostücke mitzunehmen. Alles Sachen, die sich über die Jahre ansammeln und unser Leben „verstopfen“.

Mein Leben als Sammlerin

In meinem früheren Leben war ich Sammlerin. Zu meinen Sammlungen gehörten Asterix-Comics, Lucky Luke, Micky Maus-Hefte, Winnetou-Devotionalien, Blechdosen (neu und alt), Bücher, Briefe, Nippes. Und vor allem Kleidung. In meiner Jugend trat gerade H&M seinen Siegeszug durch die deutschen Fußgängerzonen an, und ich war eine der begeisterten Konsumentinnen. Immer hatte ich aber das Gefühl, nichts zum Anziehen zu haben.

Als aus meiner ersten Wohnung wieder auszog, stöhnten meine Freunde unter der Unmenge an Krempel. Zwei Umzüge hielt ich ihr Gejammer noch aus, bis ich anfing umzudenken. Allmählich wurde die Menge meiner Dinge immer kleiner, auch wenn Entrümpeln mit Kindern und einem Sammler (mein Mann) nicht leicht ist.

Inspiration durch „Minimalismus“

Im Herbst letzten Jahres begann ich, mich intensiv mit dem Thema „Minimalismus“ auseinanderzusetzen. Durch eine unternehmerische Entscheidung hatte ich viel Geld verloren und musste viele Mittel investieren, um den Fehler wieder auszubügeln. Ich hatte Schlafstörungen, war fahrig und nervös und hatte keine Idee, wie ich diese Zeit durchstehen sollte. Geholfen hat mir dann, mich ganz auf mich zu besinnen und zu definieren, mit welchen Dingen ich mich umgeben möchte, um von der äußeren Klarheit auf eine innere zu kommen. Darüber habe ich bereits in diesem Beitrag geschrieben.

Heute habe ich eine aufgeräumte Wohnung, die viel Raum zum Atmen und Denken lässt. Und sie wird jeden Tag leerer. In meinem Büro sieht es ähnlich aus. Benutzt habe ich verschiedene Methoden, die ich euch hier einmal vorstellen möchte:

 

1. Minus 1

Jeden Tag verlässt ein Gegenstand dein Leben, wird also verschenkt, verkauft oder auch weggeschmissen. Inspiriert hatte mich die Bestsellerautorin Meike Winnemuth („Das große Los“), die das ein Jahr durchgezogen und auch beschrieben hat. Diese Methode habe ich ein gutes halbes Jahr gemacht und darüber auch gebloggt. Eine Auswahl der Fotos und eine Beschreibung findest du hier.
2. MinsGame

Etwas schneller als „Minus 1“ und sehr effektiv. Initiiert wurde das MinsGame von „The Minimalists“ Joshua Fields Milburn und Ryan Nicodemus. Dabei tust du dich am besten mit einer oder weiteren Personen zusammen.Ihr startet an Tag mit einem Gegenstand, den ihr entrümpelt, am zweiten Tag zwei, am dritten Tag drei usw., bis ihr zum Ende eines Monats angekommen seid. Verwenden könnt ihr den Hashtag #MinsGame. Wer bei dieser Methode am längsten durchhält, hat gewonnen (ist ja schließlich ein Spiel!). Eigentlich gewinnen aber alle: Wer sein #MinsGame bis zum Ende durchzieht, kann in einem Monat 465 Dinge loswerden.
3. KonMari-Methode

Die KonMari-Methode wurde von der japanischen Aufräum-Expertin Marié Kondo entwickelt und in ihren Büchern „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ und „Magic Cleaning 2: Wie Wohnung und Seele aufgeräumt bleiben“ beschrieben. Dabei entrümpelt man nicht nach Räumen, sondern nach Kategorien und arbeitet sich allmählich von leichteren wie Klamotten und Büchern hin zu „Verschiedenes“ und Erinnerungsstücken vor.
Beim Start sucht man zum Beispiel die gesamten Kleidungsstücke an einem Ort zusammen. Nun nimmt man jedes Stück zur Hand, betrachtet es und fragt sich: „Bringt es mir Freude?“. Schaut euch dazu mal die Videos mit Marié Kondo an. Bei ihr hört sich das als eine sehr schön Frage an: „Does this spark joy?“ (mit niedlichem japanischen Akzent).

Natürlich bringt einem nicht jedes Stück unbändige Freude und wir in der westlichen Welt versehen Gegenstände nicht unbedingt mit einer Seele.

So sind zum Beispiel meine Gartenschuhe nicht unbedingt ein Quell der Freude, aber von großem Nutzen – und erfreuen mich daher doch. Wenn dir ein Stück keine Freude bereitet, darf es dich verlassen. Bei dieser Methode bedankst du dich bei dem Stück und lässt es dann los.Das hört sich zunächst etwas ungewohnt an, beinhaltet aber eine sehr schöne Idee: Jedes Stück und vor allem auch die Ressourcen, die letzten Endes in es geflossen sind, werden noch einmal wertgeschätzt. Ein schönes Abschiedsritual.Nach dieser Methode gehst du nun nacheinander mit Kleidung, Büchern, Papier, Verschiedenem und Erinnerungsstücken vor. Die Methode ist vor allem geeignet, um in einer großen Aktion viele Sachen zu entrümpeln. Was sehr schön bei den Rezensionen auf Amazon klar wird: Es geht nicht darum, das wegzuwerfen, was man nicht (mehr) liebt. Sondern sich klar für die Dinge zu entscheiden, die einem Freude bereiten.

Es geht nicht darum, das wegzuwerfen, was man nicht (mehr) liebt. Sondern sich klar für die Dinge zu entscheiden, die einem Freude bereiten.

Ich selbst nutze nur Teile der KonMari-Methode: Die Frage nach der Freude finde ich einen sehr guten Ansatz, um Klarheit zu gewinnen. Mir hilft diese sehr gut, jetzt, wo ich schon sehr vieles entsorgt habe und oft vor schwierigeren Entscheidungen stehe, zum Beispiel bei alten Kinderbüchern oder Fotos.
4. 30-Minuten-Methode

Diese Methode hilft, wenn du schon eine Grundordnung in deinen Dingen hast, und du wenig Zeit und Lust zum Aufräumen hast. Dabei stellst du dir einfach einen Wecker auf 30 oder auch nur 20 oder 15 Minuten. In dieser Zeit nimmst du dir eine kleine überschaubare Ecke vor: Zum Beispiel eine Schublade oder den Vorratsschrank. Räume in deiner vorgegebenen Zeit beherzt auf, schmeiß weg, verschenke, verkaufe. Diese Methode lässt sich übrigens auch sehr gut auf Computer, Tablets oder Speichermedien anwenden. Wenn du hier jeden Tag 30 Minuten Dateien sortierst, umbenennst oder löschst, sieht dein Rechner nach einer Woche schon viiieeel besser aus. Wenn du jeden Tag dran bleibst, vergisst du auch nicht so leicht, welches neue System du dir überlegt hast.
5. 4-Kisten-Methode

Bei dieser Methode stellst du dir vier Kisten auf und beschriftest diese mit „Behalten„, „Weggeben„, „Wegwerfen“ und „Unentschieden„. Diese Methode geht sehr schnell und bietet einem die Möglichkeit, mit der „Unentschieden“-Box noch etwas Schonzeit für schwierige Entscheidungen zuzulassen. Diese Box kann dann auch erst einmal für einen bestimmten Zeitraum weggestellt werden. Alle Gegenstände, die in dieser Zeit nicht benötigt wurden, können danach beruhigt in eine der anderen Kisten wandern.
6. Pack-Party

Diese Methode ist sehr aufwändig und vielleicht am ehesten für jemanden geeignet, der seine Wohnung radikal verkleinern möchte oder vielleicht als Digitale Nomadin leben möchte. Dabei wird alles, wirklich alle Gegenstände(!) in Kisten gepackt. Während einer festgelegten Zeit kannst du all die Gegenstände wieder aus den Kisten hervor und in dein Leben zurückholen, die du brauchst.
Vorteil dieser Methode ist, dass du am Ende wirklich nur noch die Sachen in deiner Wohnung oder in deinem Leben hast, die du wirklich, wirklich brauchst. Hier kannst du mehr über diese Methode lesen.

Ich selbst wende eine Kombination aus mehreren Methoden an. Den Ansatz, sich zu fragen, ob mir etwas Freude bringt, finde ich richtig hilfreich. Immer, wenn ich dein Eindruck habe, ich müsste mal wieder etwas Ordnung in meine Dateien bringen, nehme ich mir täglich 30 Minuten Zeit dafür. Die 4-Kisten-Methode brauche ich, weil ich nicht alles wegschmeißen möchte, so, wie es Marié Kondo empfiehlt.

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