Nahrung Vereinfachen

Vegan-isch leben

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Vegan-isch leben. Bild: Ute Blindert

Vegan-isch leben. Bild: Ute Blindert

Nein, ich bin keine Veganerin. Ich bin noch nicht einmal Vegetarierin. Ich lebe vegan-isch. Oder als Flexitarierin.

Susanne Ackstaller fragte vor ein paar Wochen in ihrem Blog Texterella: „Nachhaltig und fair leben: Warum ist das eigentlich so schwer?“ Genau diese Frage stelle ich mir auch immer wieder.

Seit ich vor ein paar Jahren die Bücher „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer und „Anständig essen“ von Karen Duve gelesen habe, kann ich tierische Produkte nicht mehr mit der gleichen Unschuld aka Unwissenheit zu mir nehmen. Ein Umdenken setzte bei mir ein und ich fing an, tierische Produkte, also auch Eier oder Milch zu ersetzen oder eben anders zu kochen und zu backen. Seitdem verwende ich konsequent nur noch die Hälfte der Eier oder ersetzte Butter durch Margarine.

„Ich werde Vegetarier!“, sagte der neunjährige Sohn.

Dazu kam, dass unser Sohn vor zwei Jahren kurz vor Weihnachten beschloss: „Ich werde Vegetarier!“ Damals war er neun. „Ja, ja, mach du nur.“, sagten wir. Und dachten uns: Mal sehen. Seitdem ist er Vegetarier. Ihm fällt es überhaupt nicht schwer und er scheint nichts zu vermissen.

Dazu muss man sagen, dass wir schon immer wenig Fleisch gegessen haben. Mein Mann war mal Vegetarier, ich zwar nicht, aber irgendwie hatten wir uns aneinander angepasst, er wieder etwas Fleisch oder Fisch gegessen und ich dafür weniger. Wurst kommt praktisch nie auf den Tisch, Schinken selten. Es gibt eher den traditionellen Sonntagsbraten zu Feiertagen oder auch mal am Wochenende.

Seitdem ist der Sohn also Vegetarier und zieht das auch durch. Bei mir führte sein Entschluss dazu, dass ich noch öfter überlegte: Wie könnten wir das anders kochen? Welche anderen Gerichte könnten wir noch kochen? Und damit selbst immer weniger Fleisch verwendete.

Dabei finde ich, dass nachhaltiges Leben nicht an der Fleisch oder Nicht-Fleisch-Frage aufhört. Gerade die große Menge an Verpackungsmüll, die in Deutschland anfällt, finde ich einen ebenso wichtigen Punkt. Und da sind industriell hergestellte vegane oder vegetarische Lebensmittel eher ganz weit vorne mit dabei – an Verpackungsmengen.

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich fühle mich manchmal richtig schwach angesichts dieser Herausforderungen: Da lockt das Brathähnchen vom Grillstand. Da ist der Unverpackt-Laden sooo weit weg, um mit dem Fahrrad hinzufahren. Da kauft meine Familie mehr verpackte und verarbeitete Sachen, als ich das für gut befinde.

Da machen es alle anderen falsch, dabei bin ich selbst doch auch nicht konsequent.

Und da liegt dann auch das Problem. Es ist vom Gefühl her so, als würde man eine Goldmedaille bekommen, wenn man besonders nachhaltig und vegan lebt. Und es geht ja immer noch besser und nachhaltiger.

Im Grunde ja wie bei dem übertriebenen Konsum, bei dem man immer das dickere Auto als der Nachbar braucht.

Daher habe ich für mich und meine Familie einen anderen Ansatz gefunden:

Wir leben vegan-isch! 

  • Alles kann, nichts muss, Teil 1. Wir versuchen, auf Fleisch und Fisch zu verzichten. Wenn, dann kaufen wir in der Regel Fleisch aus biologischer Erzeugung und Fisch mit MSC-Siegel. Wenn wir irgendwo eingeladen sind, brechen wir allerdings keine Diskussion zur Herkunft des Bratens vom Zaun.
  • Alles kann, nichts muss, Teil 2. Wir versuchen zudem, Rezepte umzuwandeln, so dass sie ohne oder mit weniger tierischen Produkten auskommen. Eier(!)pfannekuchen gelingen auch mit einem Ei statt dreien und mit Reis-/Hafer-/Soja-Milch statt Kuhmilch. Oder sogar mit Wasser. Und ja, auch hier gibt es vegane Rezepte.
  • Wir probieren vegane Rezepte aus. Manches gelingt gut, anderes … geht so.
  • Wir essen so wenig wie möglich verarbeitete Produkte. Die schmecken uns sowieso nicht besonders und wir gehen automatisch an diesen vorbei. Das Angebot an Fruchtjoghurts im Supermarkt ist ja geradezu überwältigend.
  • Wie kaufen so wenig verpackt wie möglich. Leider gibt es noch wenige „Unverpackt“-Läden in Deutschland. In Köln hat gerade „Tante Olga“ in Lindenthal aufgemacht, der Weg von Nippes ist allerdings recht weit, wenn man den nicht gerade mit dem Auto zurücklegen möchte;-)

Ich hätte mich gefreut, wenn ich euch anderes zu berichten hätte, mehr so in Richtung „Mein Weg als Veganerin“ oder „So leicht ist es, konsequent zu sein!“. Ich merke aber, dass ich das so nicht schaffe. Mir hilft es eher, mich bei jeder Entscheidung zu fragen: „Ist das jetzt notwendig?“ „Geht das auch anders?“. Und dann ganz aus der Situation entscheide.

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